DIE HEIMSUCHUNG
Westfälisches Landestheater Castrop-Rauxel
Die Heimsuchung ist ein leises, zugleich kraftvolles Stück über das, was bleibt, wenn Menschen gehen – und über die Frage, wie Vergangenheit unsere Gegenwart prägt.
Teils autobiografisch erzählt Jenny Erpenbeck deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts aus einer ungewöhnlichen Perspektive. Nicht chronologisch, sondern in fragmentarischen, Momentaufnahmen verknüpfen sich die Lebensläufe mehrerer Generationen in einem Haus an einem brandenburgischen See. Die Figuren eröffnen intime Einblicke in die Widersprüche ihrer Zeit und ihres Lebens – jede der Biografien zeigt ein eigenes Schicksal geprägt von individuellen Hoffnungen und gesellschaftlichen Zwängen.
Von der Weimarer Republik über den Nationalsozialismus und die DDR bis zur Wiedervereinigung greifen politische Umbrüche unmittelbar in private Lebensläufe ein. So entfaltet sich eine vielschichtige Erzählweise mit unterschiedlichen Perspektiven auf die ambivalente deutsche Geschichte.
Auf der Bühne wird der Roman zu einer vielstimmigen Erzählung über Schuld und Verdrängung, Anpassung und Widerstand. Die Figuren kommen und gehen, doch der Ort erinnert sich: Das Haus wird zum Zeugen einer Geschichte, deren Spuren bis in die Gegenwart reichen.
Jenny Erpenbeck wurde 1967 in Ost-Berlin geboren. Sie gewann u.a. den Hans-Fallada-Preis (2014), den Thomas-Mann-Preis (2016) und den Uwe-Johnson-Preis (2022). 2024 erhielt sie als erste Deutsche den International Booker Prize. Sie ist Trägerin des Bundesverdienstkreuzes am Bande.