WINTERNACHT
Apollo Theater Siegen
Zwanzig Jahre sind vergangen, seit Helena und Bob in David Greigs und Gordon McIntyres Stück Eine Sommernacht gemeinsam aufbrachen – hinaus aus dem verregneten Edinburgh, hinein in ein offenes Europa und in ein neues Leben. Winternacht knüpft an diese Geschichte an und erzählt sie weiter: leiser, dunkler, reifer – und nicht weniger poetisch.
Am 21. Dezember, dem kürzesten Tag des Jahres, lebt Helena allein in einem Holzhaus auf den Lofoten, weit oberhalb des Polarkreises. Die Sonne ist seit Wochen nicht mehr aufgegangen. Bob ist seit zwei Jahren fort. Warum er gegangen ist und wohin, bleibt zunächst offen.
In der Abgeschiedenheit des Nordens, während draußen der Atlantik tobt, wird Helenas Gegenwart von Erinnerungen überlagert: von Reisen durch Europa, von Aufbruch und Rückzug, von Liebe, Verlust und politischen wie persönlichen Um-brüchen.
Winternacht wird so zu einem Moment der Einkehr – und zur Frage nach dem dritten Lebensabschnitt: Was bleibt, wenn Kräfte nachlassen? Was ist abgeschlossen, was noch möglich? Als plötzlich ein unerwarteter Besucher vor der Tür steht, wird klar, dass auch diese dunkelste Nacht ein Wendepunkt sein könnte.
Das Stück verbindet Gegenwart und Rückschau, Melancholie und Humor, politische Zeitdiagnose und intime Beziehungsgeschichte. Wie schon im ersten Teil wird auch Winternacht von Musik begleitet – denn manches, was sich nicht mehr sagen lässt, lässt sich vielleicht noch singen.
Eine kluge, berührende Fortsetzung von Eine Sommernacht, über das Älterwerden, die Liebe und die Frage, ob Veränderung immer noch möglich ist.